Liebe

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Einmal schrieb mir ein Mann: »– – ich will versuchen, all dies rasch zu vergessen. Das, was ich Deine Liebe nannte, Deine Treulosigkeit und Deine Feigheit. Wenn ich an Dich und an die Zeiten unseres Zusammenseins denke, fällt mir immer eine Seifenblase ein. Bunt schillernd, unendlich schön. Ich sah meine zärtlichsten, sü.esten Gedanken in ihr, alle meine Sehnsucht. Dann zerplatzte sie. Und was übrigblieb, war nichts. Gar nichts!« Ich lächelte, als ich diesen Brief las, und wollte nicht böse sein. Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet. Warum sollte der Mann aus Kummer über seinen Verlust nicht seinen letzten Rest Verstand verlieren?

Einmal schrieb mir ein anderer Mann: »– – gnädige Frau, ich sah Sie gestern abend und hatte keine Gelegenheit, mich Ihnen zu nähern. Ich war wütend. Am liebsten hätte ich Sie ungeachtet aller Menschen, die um uns herumstanden, in meine Arme genommen und weit, weit weggetragen und Ihnen gesagt, daß ich Sie liebe, daß ich bezaubert, begeistert bin – – –.« Ich lächelte auch, als ich diesen Brief las. Gibt es nicht sogar im Gesetzbuch eine Klausel, die für Sinnesverwirrung mildernde Umstände vorschreibt?

Einmal sprach ich mit irgendeinem Mann. Er erzählte mir von anderen Frauen. Von Frauen, die ihn geliebt und die er verlassen, die er geliebt und die ihn verlassen. Ich hörte geduldig zu. Da sagte er von irgendeiner: »Wissen Sie, es war eine Frau wie Sie. Eine Frau, mit der man sehr glücklich ist, wenn man mit ihr beisammen ist, und wegen der man sich nicht erschießt, wenn sie uns verläßt …!« Diesen Mann habe ich zum Tode verurteilt.

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